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Propsteikirche Herz Jesu

 Pfarrei Herz Jesu
 
Parade 4, Innenstadt

Sie ist seit 23.6.2013 wieder geweiht und geöffnet!

Nähere Informationen und den aktuellen Stand der Sanierung finden Sie hier. 

Der geschichtliche und geistliche Hintergrund während der Erbauungszeit der Kirche
Die Herz Jesu - Kirche wurde als erste Römisch- Katholische Kirche in Lübeck nach der Reformation neu errichtet und 1891 eingeweiht. Der Name „Herz Jesu“ spiegelt die religiöse Situation der Entstehungszeit wider. Nach dem Kulturkampf und der damit verbundenen stark belasteten kirchenpolitischen Situation in Deutschland vergewisserte man sich der Bedeutung des Mittelalters für die Architektur (Neu-Gotik) und in der Theologie. Hierbei spielte die mittelalterliche Konzentration auf eine stark verinnerlichte Christusfrömmigkeit eine große Rolle. Mit dem Bild und dem Ausdruck vom „Herzen Jesu“ ist die Mitte der Person Jesu gemeint. Das heißt: die Kirche in ihrer konkreten geschichtlichen Gestalt versteht und erklärt sich im Letzten nicht als eine geschichtliche oder organisatorische Gesellschaft, sondern als Stiftung aus der Mitte Jesu, von seinem Herzen her.      
Zur gleichen Zeit wurden in Deutschland und in Europa sehr viele Herz Jesu - Kirchen gebaut, die bekanntesten sind u.a. Sacre Coeur in Paris, Jesu Hjerte Kirke in Kopenhagen, Herz Jesu in Graz.


Der Kirchbau, die Architektur
1888-1891 wurde nasch Entwürfen des Paderborner Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig unter Mitwirkung des Lübecker Architekten Ferdinand Müntzenberger die neugotische Kirche aus rotem Ziegelstein errichtet. Wegen der Hanglage des Grundstücks an der Parade und der städtebaulichen Gegebenheiten steht der Chorraum im Westen und der Turm im Osten.
Friese und Gesimsbänder gliedern die Fassaden. Der Turm ist mit einem kreuzweisen Steildach abgedeckt und endet in einer dachreiterähnlichen Turmspitze.

Das Innere der Oberkirche

Vom Eingang im Erdgeschoss des Turmers öffnet sich die schlichte und in ihrer Formenklarheit zugleich beeindruckende  dreischiffige Kirchenhalle mit polygonalem Chor, geprägt durch zwei Reihen von Rundpfeilern aus rotem Ziegelstein und Kreuzrippengewölben. Wände und Gewölbeflächen sind hell verputzt.
Aufgrund der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils erhielt das Kircheninnere 1968-1973 seine heutige Gestalt. Die neuen Prinzipalien, Altar, Ambo und Priestersitz sind in elementarer Schlichtheit aus dunkelanthrazitem Stein geschnitten und stehen frei im Chorraum. Die schmalen Chorfenster und die Fenster am Kopfende der Seitenkapellen sind in dominierendem Rot gestaltet, so dass der gesamte Kirchenraum bei entsprechender Sonneneinstrahlung geradezu feurig glüht.
Die großen Fenster im Kirchenschiff aus den 50-iger Jahren des 20. Jahrhunderts sind so gut wie einfarbig in hellen Grautönen geschaffen und unterstreichen den Charakter der Kirchenhalle in ihrer Klarheit.


Die Ausstattung der Oberkirche

Die Orgel wurde 1998 durch die Firma Kuhn in der Schweiz gebaut. Das klangliche Konzept der 29 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal kommt der Orgelmusik bes. des 19. und 20. Jahrhunderts entgegen.
Im linken Seitenschiff findet sich hinten die Nachbildung eines Gotischen Flügelaltars des Lübecker Meisters Claus Berg (Original 1450). Die Bilder von den 14 Kreuzwegstationen entstammen der ursprünglich neugotischen Ausstattung und sind signiert mit J. Bartschwer, 1897. In der Nische des ehemaligen Südportals hat das Kreuz des Märtyrerkaplans Hermann Lange seinen Platz. Vorne links zieht die (Nachbildung der) Madonna mit Kind die Aufmerksamkeit der Besucher und der Betenden auf sich. Das Original von 1466 steht im ehemaligen Birgittenkloster in Vadstena/Schweden.
Im Chorraum sind als neben Altar und Ambo prägende Kunstwerke zu nennen das Tabernakelgitter (Christus und die Emmausjünger) von Rudolf Krüger und das Vortragekreuz von Werner Oelschläger.
Im rechten Seitenschiff vorne hat das neugotische Taufbecken von 1891 seinen Platz, neben dem Zugang zur Krypta die Statue des Hl. Konrad (1936 von Caspar Arendt). Von besonderer kunsthistorischer und ebenso großer spiritueller Bedeutung ist das Gotische Vesperbild hinten in der Kirche. Diese Pieta wurde im 15. Jahrhundert geschaffen.
Über den Kopfenden der Seitenschiffe sind in großer Höhe zwei Ölbilder gehängt: links die Darstellung des Hl. Ignatius von Loyola und rechts die des Hl. Franz Xaver, beide von Burchard Wulff (1620-1701) gemalt. Diese Bilder verweisen auf die Tradition der Jesuiten in Lübeck, bes. im 18. Jahrhundert.

Die Gestaltung und das Innere der Unterkirche bzw. Krypta
Im Treppenabgang zur Krypta verweisen eine Sandsteintafel und Fotos auf die vier Lübecker Märtyrer.
Johannes Prassek (*1911), Eduard Müller (*1911) und Hermann Lange (*1912) waren Kapläne an dieser Herz Jesu – Kirche, Karl-Friedrich Stellbrink (*1894) Pastor an der evangelischen Lutherkirche, Moislinger Allee. Im Sommer 1943 wurden die Vier vom nationalsozialistischen Regime zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 in Hamburg hingerichtet.
Die in neuromanisch anmutenden Stil erbaute Unterkirche (Krypta) beeindruckt durch die Schlichtheit. Kreuzgratgewölbe, die massigen Pfeiler und Bögen sind in weiß gehalten und kontrastieren zum Grau des Fußbodenbelags. Die Krypta entstand aufgrund des sich immer tiefer im Bewusstsein der Gläubigen verankernden Martyrergedenkens im Jahr 1955 nach Plänen des Architekten und Künstlers Hans Dinnendahl (1901-1966, Telgte).
Vorne links fällt der Blick auf ein kostbares mittelalterliches Kleinod: Anna Selbdritt. Der Altar und das Hängekreuz darüber stammen ebenso wie die Bronzeplastik „Christus vor Pilatus“ von Hans Dinnendahl (1955). Diese Plastik markiert den Bestattungsort der Urne mit der Asche von Kaplan Lange. Das bronzene Lesepult (R.Krüger) erinnert an das Leid der vier Märtyrer hinter Gittern und Stacheldraht und an ihren Tod unter dem Fallbeil.

Die Sanierung und Umgestaltung der Propsteikirche
Durch unzureichende Abdichtung und Drainage wurde das Mauerwerk und der Boden der Kirche und der Krypta über viele Jahre hindurch durchnässt und schwer beschädigt.
Das Dach war durch Wetter und Sturmeinwirkung ebenfalls stark beschädigt.
Es wurde bereits 2008 erneuert. Der kupferne Turmhelm und die neu vergoldete Helmzier erstrahlen nun bereits in neuem Glanz.
Der komplette Innenraum der Propsteikirche und die Krypta wurden grundlegend saniert. Hierbei wurde der Kirchraum und die Krypta auch technisch modernisiert, umgestaltet und in der Krypta eine gut zugängliche Märtyrergedenkstätte neu erstellt.
Nähere Informationen über die Sanierung finden Sie hier.